Die Geschichte unseres Hauses

Unser Gasthaus befindet sich seit über 100 Jahren in Familienbesitz und wird von der mittlerweile 4. Generation geführt. Doch es waren nicht nur durchweg unproblematische Jahre, wie die Zeit vor allem im und nach dem 2. Weltkrieg zeigt. 

Von 1882 bis in die erste Hälfte des 20. Jahrunderts

1882 kauften Moritz Hummel und seine Frau Wilhelmine (Ururgroßeltern der heutigen Inhaberin Birgid Döring) das Wirtshaus mit Saal von einem Großgrundbesitzer aus Buchwald. Doch die Freude über das erworbene Haus und dem damit einhergehenden Geschäft wehrte nicht lange, denn zu dieser Zeit trieben in Buchwald und den Nachbargemeinden Brandstifter ihr Unwesen, von denen auch das Anwesen der Familie Hummel nicht verschont blieb.

 

Am 11.Januar 1898 ist das Wirtshaus mit dem Saal abgebrannt. Doch weil das Wirtshaus die einzige Einnahme- und Erwerbsquelle der Familie war, wurde umgehend damit begonnen, das Haus wieder aufzubauen. Während der Rekonstruktion wurde eine im Nachbargrundstück befindliche Gartenlaube als Schankhaus umfunktioniert, um den Betrieb weitestgehend aufrecht erhalten zu können.

 

Bereits Mitte September 1898 war Neueröffnung des Gasthofes. Während Moritz Hummel in den 1. Weltkrieg eingezogen wurde, führte seine Frau Wilhelmine allein das Geschäft, musste sich aber gleichzeitig auch um ihre 5 Kinder kümmern, also eine Doppelbelastung, die sie jedoch mit Bravour und Hilfe ihrer Kinder meisterte.

 

Nach der Heimkehr von Moritz Hummel aus dem Krieg verstarb Wilhelmine – die Stütze der Familie. Moritz sah sich nicht im Stande, das Wirtshaus allein weiter zu führen. So begab es sich, dass dessen Tochter Elsa – frisch vermählt mit Arnold Petzold – das Geschäft übernahm.

Vom zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer

Elsa und Arno führten die Gaststätte fort. Keine leichte Aufgabe, vor allem in den Jahren des 2. Weltkrieges, die auch vor der dörflichen Idylle von Buchwald nicht spurlos vorüber gingen. Das Haus verlor in den Jahren 1943 – 45 seine eigentliche Bestimmung und wurde zum Zufluchtsort sowie Unterkunft zahlreicher Durchreisender aber auch Bombengeschädigter und Flüchtlingen aus Leipzig, Schlesien, Berlin und dem nahe gelegenen Plauen, die mit Pferdegeschirren umherzogen und nach Sicherheit gesucht hatten. Sie schliefen und wohnten im Saal auf Stroh (!) und wurden von Elsa und ihren Töchtern mit Essen versorgt.

 

Als Arno in dieser Zeit (1944) verstarb, versuchte Elsa, wiederum mit tatkräftiger Unterstützung ihrer drei Töchter Hilde, Gertraude und Hanna, den Betrieb so gut es ging, aufrecht zu erhalten. Im April 1945 besetzten amerikanische Streitkräfte das Haus und vertrieben die darin lebende Familie und all die noch zum Teil verletzten Flüchtlinge. Die Familie wurde damit auseinander gerissen und fanden in den Nachbarhäusern Unterschlupf. Sie bekamen nur noch zum Füttern ihrer Tiere Zutritt zum Grundstück. Die Amerikaner hielten sich insgesamt knapp 3 Monate im Haus auf und wirtschafteten es in dieser Zeit vollkommen herunter. Nach deren Abzug musste es erst mit den sehr begrenzten Mittel so gut es eben ging renoviert und hergerichtet werden, um es wieder einigermaßen bewohnbar zu machen.

 

Im Juni 1945 dann bezogen russische Streitkräfte Stellung und besetzten das Haus erneut. Jedoch duldeten sie die Bewohner, so dass es sozusagen zu einer Wohngemeinschaft kam, in der die Familie Petzold, die Flüchtlinge und der politische Feind unter einem Dach wohnten – keine leichte Konstellation. Doch das Verhältnis wurde eher als relativ gelöst, respektvoll und durchaus ausgeglichen im gegenseitigen Geben und Nehmen beschrieben. Die russischen Besatzer erbauten im Buchwalder Forst Bunker, die sie mit Möbeln aus alten Fabrikgebäuden der Umgebung einrichteten und sich dort tagsüber aufhielten. Sie kamen nur zum Schlafen in den Ort selbst.

 

Im Herbst 1946 zogen die Russen schließlich ab und das Haus wurde nun umfangreich renoviert. Elsa entschied sich zusammen mit ihren drei Töchtern das Gasthaus 1947 wieder zu eröffnen. Als im Jahre 1952 Gertraude ihren Freund Manfred heiratete, entschlossen Sie sich, Elsa von der vielen Arbeit zu entlasten und erklärten sich bereit, das Wirtshaus als neue Inhaber weiter zu führen

Vom Mauerfall bis heute

Als 1989 die Mauer fiel und es 1990 zur Wiedervereinigung kam, standen Gertraude und Manfred Fähnrich vor der wohl schwierigsten Entscheidung ihres Lebens: das Gasthaus schließen – weil sie sich nicht mehr imstande sahen, mit den neuen Rahmenbedingungen der freien Marktwirtschaft zurecht zu kommen oder der Übergang des Geschäfts auf einen Nachfolger.

 

Sie wandten sich bei dieser Frage an Ihre Nichte Birgid Döring, die zu dieser Zeit noch den Konsum im Ort leitete. Birgid gab ihren Beruf auf und wurde Wirtin. Wilfrid, ihr Ehemann, half so gut es ging neben seiner Arbeit als Elektriker in der NEMA-Netzschkau mit, bevor er einige Zeit später ganz in das Geschäft mit einstieg.

 

Als erster Raum wurde 1992 im Zusammenhang mit umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten, vor allem im Küchen- und Sanitärbereich, die heutige Gaststube fertig gestellt. Da dieser Raum mit knapp unter 30 Sitzplätzen den Gästezahlen bereits nach kurzer Zeit nicht mehr entsprechen konnte, wurde 1993 ein Teil des Saales, der bis dahin seit der Nachkriegszeit als Lagerhalle diente, seiner ursprünglichen Bestimmung in Form des Vereinszimmers wieder übergeben.

 

Aus Anlass des doppelten 50-Jährigen Geburtstages von Birgid und Wilfrid Döring im Jahr 1999 musste ein Raum her, der die zahlreichen Gäste aus Nah und Fern aufnehmen konnte. Da bot sich der große Saal an. Durch die Begeisterung und Ermutigungen der Geburtstagsgäste, die vor allem das Flair und das Ambiente dieses Raumes bewunderten und genossen, wurde beschlossen, den Saal für den öffentlichen Gästebetrieb wieder zu nutzen. In diesem Zusammenhang wurde der Saal unter Denkmalschutz gestellt und durfte nur nach den strengen Auflagen der Denkmalschutzbehörde verändert und restauriert werden. So wurde gewährleistet, dass die Gäste heute in genau der selben Umgebung und Atmosphäre speisen und tanzen können, wie schon vor über 100 Jahren...

 

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